Rede

Krieg und Frieden in Schulen ausgewogen diskutieren

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sehr geehrte Damen und Herren,

für viele junge Menschen in Sachsen-Anhalt ist das, worüber wir hier sprechen, keine abstrakte schul- oder sicherheitspolitische Debatte. Es ist die Frage: Könnte ich selbst betroffen sein? Müsste ich im Zweifel dienen? Was bedeutet Krieg eigentlich für mein eigenes Leben, für meine Zukunft?

Diese Fragen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie entstehen zwischen Unterricht und TikTok, zwischen Nachrichtenbildern aus der Ukraine und Gesprächen auf dem Schulhof. Sie sind oft begleitet von Unsicherheit, von Druck, manchmal auch von echter Angst. Und genau deshalb ist es so entscheidend, wie wir diesen Themen in der Schule begegnen.

Schule muss ein Ort sein, an dem junge Menschen fragen dürfen, zweifeln dürfen, widersprechen dürfen – ohne das Gefühl, in eine Richtung gedrängt zu werden. Wenn externe Akteure ins Klassenzimmer kommen, dann tragen wir eine besondere Verantwortung: Es geht nicht nur um Information, sondern immer auch um Einfluss.

Der Antrag der Fraktion DIE LINKE setzt hier an. Herr Lippmann, Sie haben mit Ihrer Kleinen Anfrage Zahlen zu Schulbesuchen der Bundeswehr abgefragt und damit ein relevantes Thema aufgerufen. Aber die Schlussfolgerung, die Sie daraus ziehen, überzeugt nicht.

Denn das, was Sie fordern, ist längst Realität: Dass unterschiedliche Perspektiven eingebunden werden. Dass nicht nur Jugendoffiziere sprechen, sondern auch Stimmen aus der Friedensarbeit. Dass Transparenz geschaffen wird. All das ist seit über zehn Jahren in der entsprechenden Handreichung des Landes verankert – nahezu wortgleich zu Ihrem Antrag.

Und vor allem: Die Verantwortung liegt bewusst bei den Schulen selbst. Dort, wo Lehrkräfte die Jugendlichen kennen. Dort, wo gespürt wird, welche Fragen gerade im Raum stehen, welche Sorgen ausgesprochen werden – und welche vielleicht auch nicht.

Die Zahlen zeigen zudem kein Ungleichgewicht: 155 Veranstaltungen im Jahr 2021, 175 im Jahr 2025. Kein sprunghafter Anstieg, keine Hinweise darauf, dass andere Perspektiven verdrängt werden. Schulen sind in der Lage – und sie tun es auch –, solche Formate ausgewogen zu gestalten.

Gerade weil die Themen so sensibel sind, sollten wir nicht den Eindruck erwecken, als müssten wir den Schulen zusätzliche Vorgaben machen. Was wir stattdessen brauchen, ist Vertrauen: Vertrauen darin, dass sie den Beutelsbacher Konsens ernst nehmen. Vertrauen darin, dass sie junge Menschen nicht überwältigen, sondern stärken.

Denn am Ende geht es nicht um unsere Debatten hier im Haus. Es geht um Jugendliche, die ihren Platz in dieser Welt suchen – und die ein Recht darauf haben, sich ihre eigene Haltung zu Fragen von Krieg und Frieden zu erarbeiten.

Vielen Dank.