Sehr geehrte Damen und Herren,
Es war ganz sicher schon mal leichter, übersichtlicher, weniger herausfordernd, aufzuwachsen, seine Jugend zu verbringen, sich in und mit der Welt auseinanderzusetzen als heute. Klimakrise, Ukrainekrieg, Corona, Wiedergänger rechtsautoritärer Kräfte – Großereignisse, die den Lebenshorizont eintrüben, die Zukunft ungewiss werden lassen. Dabei hat man als junger Mensch eigentlich schon genug zu tun mit der Positionierung in der eigenen Peergroup, der Abnabelung von den Eltern, Schulnotenstress, Sturm und Drang der Pubertät – und dann auch noch diese globale Bedrohungslage.
Und als wäre das nicht genug, erleben viele junge Menschen im Moment zusätzlich öffentliche Debatten, in denen ihnen Mimosenhaftigkeit unterstellen, ihre Arbeitsmoral infrage gestellt und sie als „Generation Snowflake“ geschmät werden. Ich halte das für anmaßend. Es ist eine altbekannte Klage, die sich durch die Geschichte zieht: Jede ältere Generation meint, die nachfolgende reiche nicht an sie heran. Diese Litanei hilft niemandem. Vielmehr verstellt sie den Blick auf reale Herausforderungen und notwendige Unterstützung.
Wenn wir heute über die psychische und mentale Gesundheit junger Menschen sprechen, dann sprechen wir über eine Generation, die unter besonderen Vorzeichen erwachsen wird. Die vorliegenden Daten zeigen deutlich: Belastungen haben zugenommen. Gefühle von Stress, Erschöpfung, depressive Symptome und Ängste sind für einen relevanten Teil junger Menschen Alltag. Das dürfen wir nicht kleinreden. Wer früh psychisch erkrankt, trägt die Folgen oft lange mit sich.
Und dennoch und auch das gehört zur Wahrheit: Der Mehrheit der jungen Menschen geht es gut. Sie kommen mit ihrem Leben zurecht, erleben Freundschaften, Selbstwirksamkeit und Zuversicht. Diese Ressourcen gilt es zu stärken. Eine differenzierte Debatte hilft mehr als pauschale Krisenerzählungen.
Ein Aspekt verdient aus unserer Sicht noch stärkere Aufmerksamkeit: Mobbing – analog wie digital. Wer wiederholt ausgegrenzt, beleidigt oder gedemütigt wird, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen. Cybermobbing verschärft das Problem, weil es keinen sicheren Rückzugsraum mehr gibt. Prävention gegen Mobbing ist deshalb kein Nebenthema, sondern muss Kern einer Strategie für mentale Gesundheit sein. Schulen brauchen klare Konzepte, Fortbildungen, Vertrauensstrukturen und ausreichend Schulsozialarbeit. Junge Menschen müssen wissen: Ihr seid nicht allein, und es wird hingeschaut.
Der Antrag der LINKEN greift zentrale Handlungsfelder auf: Prävention, niedrigschwellige Angebote, bessere Vernetzung. Das unterstützen wir ausdrücklich. Seelische Gesundheit ist keine Privatsache, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie entscheidet über Bildungschancen, Teilhabe und Zukunftsperspektiven.
Deshalb sagen wir: Ja, wir müssen handeln – besonnen, evidenzbasiert und mit einem klaren Blick auf die Stärken unserer Jugend. Ihr Antrag verehrte LINKE ist da ein guter Anfang.
Danke.