Sehr geehrte Damen und Herren,
„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.“ Mit dieser Grundwahrheit der Pädiatrie habe ich letztes Jahr im November meine Rede zu dem Antrag der Linken zu demselben Thema, um das es uns heute auch geht, begonnen. Aus medizinischer Sicht ist das alles andere als banal, denn – das sagte ich damals auch – Anatomie, Krankheitsbilder, Wirksamkeit von Medikamenten, all das unterscheidet sich nun einmal zwischen Kindern und Erwachsenen oft ganz grundlegend.
Und genau um diese Unterschiede geht es in dieser Debatte. Das im März von Union und SPD beschlossene Krankenhausreformanpassungsgesetz verkennt genau diese Unterschiede, indem es Kinder und Jugendliche einfach mit der Erwachsenenmedizin in einen Topf geworfen hat. Es gibt nun keine Leistungsgruppen mehr für die spezielle Kinder- und Jugendchirurgie und die spezielle Kinder- und Jugendmedizin. Ich muss es hier so deutlich sagen: Das wird die Versorgung von Kindern und Jugendlichen verschlechtern. Die Streichung dieser Leistungsgruppen ist eindeutig ein Eingriff in die Versorgungsqualität, denn dadurch gehen spezifische Qualitätsvorgaben, Personalstandards und Vorhaltefinanzierungen für Kinder verloren. Das ist ein schwerer Rückschritt für die Versorgung unserer Jüngsten!
Im November 2025 sprachen wir noch über einen Referentenentwurf des nun vorliegenden Krankenhausreformanpassungsgesetzes und fanden den damaligen Antrag der Linken zur Sicherung dieser Leistungsgruppen richtig und wichtig. Der vorliegende Antrag der Koalition versucht jetzt noch, mit den landesseitig zur Verfügung stehenden Instrumenten das zu retten, was noch zu retten ist. Natürlich kann man verschiedene Versorgungsmodelle evaluieren. Ja, auch die Kooperationen zwischen Krankenhausstandorten kann man unterstützen und vertiefen und auf Telemedizin und Weiterbildungen von Fachärztinnen setzen.
Aber am Ende brauchen wir einen strukturellen Ansatz, um die drohende Versorgungslücke zu schließen. Durch Anreizsysteme, attraktive Arbeitsbedingungen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten müssen wir die Ansiedlung von Fachärztinnen der Kinder- und Jugendmedizin gezielt fördern. Auch die Einrichtung von Integrierten Notfallzentren für Kinder und Jugendliche (KINZ) wäre ein wichtiger Schritt. Wir müssen außerdem für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen arbeiten und Präventionsprogramme sowie Therapieangebote für Kinder und Jugendliche ausbauen. Es braucht endlich eine separate Bedarfsplanung von Psychotherapeutinnen und Ärztinnen, die überwiegend oder ausschließlich Kinder und Jugendliche psychotherapeutisch behandeln. Neben dem Community Health Nursing müssen wir das School Nursing etablieren und in die Fläche bringen. Und damit habe ich nur an wenigen Punkten die Aufgabe beleuchtet, die vor uns liegt. Weil wir mutig sein müssen, und engagiert, um die Gesundheitsvresorgung fü unsere Kleinsten zu sichern.
Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, wir Grüne wissen, dass unser Gesundheitssystem radikale Reformen braucht, um weiter funktinieren zu können und dazu gehört auch die Krankenhausreform und ja, auch das Ziel der Reduzierung von Leistungsgruppen – auch das sagte ich hier schon im November – mag zu Vereinfachung, Bürokratieabbau, effizienteren finanzielle Steuerbarkeit führen. Das alles darf aber nicht der Selbstzweck sein, es muss das Ziel der besseren Versorgung haben. Aber der Ausgangspunkt aller Reform MUSS der einzelne Patient, die einzelne Patientin sein. Es muss um die Sicherung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung für die Menschen gehen, nicht um die Funktionalität von Verwaltungsapparat oder Klinikbetrieben.
Die Pädiatrie war dafür deshalb der denkbar schlechteste Ansatzpunkt! Zu groß ist nun die Gefahr der Unsichtbarkeit und Unterfinanzierung. Es bleibt dabei: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie benötigen eigene Standards, eigene Strukturen und eine starke Stimme in der Gesundheitspolitik. Das zu sichern ist nun Aufgabe des Landes und das braucht Mut und einen großen Plan. Der Antrag der Koalition bleibt uns da zu unambitioniert und greift uns zu kurz. Wir werden uns enthalten.
Vielen Dank.